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Handgemacht, um ein bisschen bewusster zu leben.

Silja von Janalisan näht viele Produkte, um ein bisschen nachhaltiger zu leben und dies auch anderen zu ermöglichen. Zugegeben, Nachhaltigkeit ist ein Modewort, aber doch so wichtig. Sie näht unter anderem Kaffeefilter, Abschminkpads, Seifensäckchen oder Slipeinlagen. Nicht jedes Produkt ist für jeden etwas. Aber für einen bewussten und nachhaltigen Lebensstil gibt es so vielfältige Wege und jeder kleine Schritt hilft.

Wann hast du entschieden, dich selbstständig zu machen?

Das war ein langer Prozess. Ich habe schon sehr lange immer wieder überlegt, wie ich mit etwas das mir Spaß macht, Geld verdienen könnte. Während meiner Arbeit als Schreinerin zum Beispiel habe ich überlegt, was man aus den Holzresten noch machen könnte. Oder ich wollte mal aus alten Weihnachtsbäumen schöne Dinge bauen. Als dann nach 8 Jahren Elternzeit mein drittes Kind in die Betreuung kam, wurden die beruflichen Überlegungen konkreter. In meinen alten Beruf als Holztechnikerin wollte ich nicht zurück, da mir das Arbeiten in einer Anstellung nicht flexibel genug war. Und die Flexibilität brauche ich bei drei noch recht kleinen Kindern. So habe ich erst einmal gedacht, dass ich dann ja einfach ein paar Handarbeiten verkaufen kann, wenn ich sowieso fast jeden Abend stricke. Gar nicht als große Geschäftsidee, sondern einfach um ein kleines bisschen Geld dazu zu verdienen, wenn ich schon nicht „richtig“ arbeiten kann.

Zur gleichen Zeit gingen bei Social Media die Bilder der großen Müllteppiche auf den Meeren und Stränden rum. Müll reduzieren fand ich schon immer wichtig. Aber ab da habe ich dann auch viel zu dem Thema gelesen. Vieles habe ich dann zu Hause umgesetzt. Meinen Jüngsten habe ich zum Beispiel in Stoffwindeln gewickelt und dadurch kam ich auf die Idee Slipeinlagen für mich zu nähen. Der Kontakt zu einer anderen Frau, die die Slipeinlagen auch haben wollte, hat mich dann dazu gebracht anstelle von Wollsocken, vielleicht eher Slipeinlagen zu verkaufen. Und dann kamen immer mehr Produkte dazu. Kaffeefilter zum Beispiel. Im Nachhinein finde ich, es total logisch nachhaltige Alltagshelfer zu verkaufen, und frage mich, warum ich nicht eher darauf gekommen bin.

2020 im Februar habe ich dann mein Gewerbe angemeldet und losgelegt.

Ich habe dabei auch viel Glück mit Zufällen gehabt. Durch einen dieser Zufälle bin ich auf die Inhaberin von Pickepacke Unverpackt in Neuss getroffen, die jetzt einen Teil meiner Produkte in ihrem Laden verkauft.

Wie wichtig ist, für es für dich keinen Müll zu produzieren, und wie reagieren andere darauf?

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die in einem Monat nur ein kleines Glas mit Müll voll bekommen. Am Anfang bin ich extrem eingestiegen – habe meinen Kindern zum Beispiel gesagt, dass ich keinen Schokoriegel kaufe, weil der in Plastik eingepackt ist. Das war echt übertrieben. Ich habe zu viel auf einmal gemacht. Brot selber backen, Joghurt selber machen usw., irgendwann kam ich an meine Grenzen. Mittlerweile schaue ich, wo es gut reinpasst. Ich versuche, darauf zu achten, welche Produkte ich kaufe, aber ich bin da nicht mehr so streng mit mir wie am Anfang. Jeder kleine Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt. Deswegen finde ich jeder soll es so machen, wie er kann.

Die Reaktionen darauf sind eigentlich immer positiv. Auf dem Spielplatz haben mich dann schon mal andere Mütter auf die Stoffwindeln angesprochen. Oder die Kassiererin wegen meiner ganzen Stoffbeutel fürs Gemüse. Die Leute waren aber auch immer ehrlich interessiert. Die Reaktionen auf die Slipeinlagen sind noch am ehesten skeptisch. Aber das kann ich auch verstehen. Das war ich vorher auch. Inzwischen finde ich sie großartig und nutze sie so gerne zusammen mit der Menstruationstasse. Ich muss keine Hygieneprodukte mehr kaufen und wegschmeißen. Das finde ich so großartig.

Und ich merke, dass Umweltbewusstsein wirklich ein Thema ist, das unheimlich verbreitet ist. Es ist einfach schon viel normaler geworden. Zumindest in meinem Umfeld versuchen viele ein paar Kleinigkeiten umzusetzen. Und sei es nur eine Einkaufstasche mitzunehmen, anstatt eine Plastiktüte zu kaufen.

Wo im Alltag lebst du Nachhaltigkeit? Und wie leicht ist es, das umzusetzen?

Obst und Gemüse kaufen wir im Bauernladen oder bei Rewe. Und das geht fast alles ohne Verpackung. Ausnahmen sind so Sachen wie Äpfel. Die gibts dann in 5 kg-Säcken, direkt vom regionalen Obsthof. Die wurden also nicht durchs Land gefahren. Großpackungen kaufen geht bei einer großen Familie sowieso wunderbar und spart viele kleine Plastiktüten. Ich bestelle auch Klopapier, Nudeln, Waschpulver und Müsli in größeren Mengen und ohne Plastik. Im Badezimmer kann man generell leicht und viel Müll vermeiden. Keine Shampooflaschen mehr kaufen, sondern Seife und Shampoo als Stückware. Oder unverpackte Zahnputztabletten statt Zahnpastatube. Das kaufe ich im Unverpacktladen, wo ich regelmäßig bin. Das alles sind kleine Schritte in die richtige Richtung.

Die Dinge, die ich bei uns umgesetzt habe, fallen mir alle sehr leicht. Es ist für mich einfach eine Herzensangelegenheit und da steckt eine große Motivation dahinter. Das macht es leicht. Mir fallen auch auf Anhieb gar nicht alle Sachen ein, die wir geändert haben, weil vieles so normal geworden ist.

Inzwischen verteufele ich auch nicht mehr alles, was in Plastik verpackt ist, ich mache mir aber einfach mehr Gedanken. Ich überlege immer, ob ich überhaupt was Neues brauche. Manchmal schlafe ich vor einer Neuanschaffung eine Nacht drüber. Ich überlege mir: Brauche ich das wirklich oder will ich das nur haben, um kurz ein Bedürfnis zu befriedigen. Deswegen habe ich auch Kataloge und Newsletter abbestellt. Die suggerieren immer, dass man noch etwas braucht. Nein, ich will schon selbst entscheiden, was ich noch brauche und was nicht.

Und wenn ich etwas wirklich brauche, dann kaufe ich auch gerne gebraucht. Wie zuletzt zum Beispiel Kleidung, einen Spiegel, Espressotassen oder auch meinen Laptop und vieles mehr.

Das Auto lassen wir so oft es geht stehen und fahren mit dem Fahrrad oder Bus oder gehen zu Fuß. Nicht jeder kleine Weg zum Kindergarten oder zum Bäcker muss mit dem Auto gemacht werden. Auch nicht bei Regen. Es gibt einfach so viele Dinge, die man durch ein bisschen Umdenken besser machen kann. Und das Umdenken halte ich sowieso für den allerwichtigsten Punkt.

Und deine Produkte? Was hast du da alles? Und woher kommen deine Stoffe?

Slipeinlagen und Binden waren mit, die ersten Produkte, die ich verkauft habe. Die nähe ich aus Biobaumwolle oder aus upgecycelten Stoffen, wie alte Moltontücher oder andere alte Stoffe. Ich habe mittlerweile ein paar schöne Shops rausgesucht, die gute Stoffe aus Biobaumwolle verkaufen. Und die alten Stoffe sind entweder ausgediente Dinge aus unserem eigenen Haushalt, aus Haushaltsauflösungen oder wurden gespendet. Man hat ja häufig irgendwelche Textilien, die man nicht mehr nutzt, die für den Müll zu schade und für die Kleidersammlung nicht mehr gut genug sind. Da komme ich ins Spiel. Und so bekommen die Sachen auch noch ein zweites Leben.

Die Seifensäckchen sind aus alten Gardinen. Die sind zwar nicht unbedingt aus Baumwolle, aber sie sind noch wunderbar nutzbar. Man kann darin die Seife aufhängen und so trocknet sie schnell wieder. Und man hat sogar beim Duschen einen wunderbaren Peeling-Effekt.

Ansonsten biete ich Produkte an wie Wäschesäckchen zum Waschen der Slipeinlagen. Die sind auch aus Biobaumwollstoff, ein wunderschön weicher Tüllstoff. Ich nähe auch Stofftaschentücher, Spüllappen und Abschminkpads. Die bunten Spüllappen sind übrigens besonders beliebt.

Stofftaschentücher, boah das habe ich als eklig in Erinnerung. (Lautes Lachen)

Mit dem Stofftaschentuch die Nase geschnäuzt bekommen und dann werden sie in den Ärmel gesteckt. Das kenne ich noch zu gut von früher. Das fand ich auch immer eklig! Jetzt habe ich es noch mal ausprobiert. Ich finde es inzwischen super. Das benutzte Taschentuch kommt halt direkt in die Wäsche und dann ist es gut. Und schön sind sie auch noch. Es ist mit Kindern auch immer gut, mal ein Stofftaschentuch dabei zu haben. Irgendwas muss ja immer mal abgewischt werden. Sei es eine laufende Nase, Tränen, klebrige Hände oder eine Eisschnute.

Früher standen bei uns überall in der Wohnung diese Boxen mit den Papiertüchern rum, schnell mal rausziehen und wegwischen und ab in den Müll. Dann haben wir das alles einfach durch Mulltücher ersetzt.

Habt ihr auch eure Ernährung umgestellt?

Ich persönlich ja. Ich esse fast gar kein Fleisch mehr. Das führt zwar dazu, dass ich schon mal vegetarische Ersatzprodukte kaufe, die dann in Plastik eingepackt sind, aber damit kann ich leben. Wenn aber mal mein Mann etwas mit Fleisch kocht oder wir eingeladen sind, dann esse ich, was da ist. Ganz unkompliziert. Ich selber kaufe nur kein Fleisch mehr ein. Auf Bio und vor allem regionale Produkte haben wir auch schon vorher geachtet. Und ich gucke, dass es unverpackt ist. So gut es eben geht, ohne mich verrückt zu machen. Manchmal muss das Essen halt mal schnell fertig sein oder wir schaffen es nicht zu kochen und bestellen etwas. Dann ist das so.

Ich will auch den Genuss nicht komplett ausblenden. Es gibt sehr viele superleckere unverpackte Lebensmittel und viele Möglichkeiten müllarm zu kochen. Aber mal eine Tiefkühlpizza ist halt auch lecker. Und ich will den Kindern das Thema ja auch schmackhaft machen. Das geht mit Zwang mal gar nicht.

Man kann seinen Gaumen aber durchaus umgewöhnen, wenn man will. Bei mir selber habe ich inzwischen auch meinen geliebten Latte macchiato auf Hafermilch umgestellt. Wenn ich da die Milch für den Kaffee schon mal austausche, ist es wieder ein kleiner Schritt.

Silja, ich danke dir für das Interview. Du hast mich echt noch mal zum Nachdenken angeregt, wo ich vielleicht noch kleine Sachen ändern kann. Wenn ihr kleine Sachen schnell ändern wollt, schaut unbedingt im Etsy-Shop von Janalisan vorbei! Oder folgt ihr bei Facebook und Instagram.

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Gespräch mit Johanna