Bereits die sechste Woche Homeoffice mit meinem Sohn – teilweise mit Sohn und Mann – neigt sich dem Ende zu. Eine anspannende, entspannende, spannende Entwicklung liegt hinter uns. Auf jeden Fall hatte es viel mit Spannung zu tun!

Die ersten Tage haben wir entspannt starten lassen. Es war wie eine Befreiung. Alle Termine abgesagt. Boah, das hat sich gut angefühlt, der Druck ständig unterwegs zu sein und dem allem eine Ordnung einzuverleiben war weg. Gemeinsam frühstücken, jeder macht seine Aufgaben, Fahrradfahren, abends ein Filmchen schauen. Es lief!

Bis zu diesem ersten Donnerstag, da kippte das ganze spaßige Modell. Mein Sohn hatte keinen Bock mehr, seine Aufgabe allein in seinem Zimmer zu machen. Und überhaupt war das alles voll SCH… Blätter und Hefte können fantastisch fliegen, die müssen das nicht lernen. Schreien verringert ja bekanntlich Frust, also alle mal schreien. Könnte ja helfen, wieder auf Spur zu kommen.

Dann der erste Kunde, der nicht zahlen kann. Sorge, ob es weiteren Ausfall gibt und ob noch Aufträge reinkommen. Wie positioniert man sich denn in solchen Zeiten?

Mein Mann telefonierte in einer Tour. Also bitte leise sein. Und leise stieg der Frust weiter an.

Im Supermarkt herrschte Endzeitstimmung und wie man sich jetzt so richtig verhalten sollte, wusste keiner. Einkaufen ist zum leidigen Muss mutiert. Das macht nun wirklich keinen Spaß mehr.

Nach einem zerknirschten Wochenende mit viel schlechter Laune habe ich mit meiner Freundin telefoniert. Strapazierte Nerven und Verunsicherung. „Schreib doch mal was, was Positives und Motivierendes.“ Konnte ich nicht. Ich war so vergrummelt, da kam einfach nix raus! Und dann immer wieder die Frage im Hinterkopf, „wie strukturiere und ordne ich das alles“? Die Kunden, das Netzwerken, mein Business, Geld/Finanzen und dann Familie und diesen Tausendfüßler dahinter.

Die dritte Woche verlief in keinster Weise entspannter. Ich habe mir Tipps reingezogen, wie andere Rotwein, irgendwie mussten wir uns doch eingrooven verdammt! Ach, und den Rotwein habe ich abends auch noch getrunken. Aber kein Grooven in Sicht. Ebenso wenig wie Urlaub. Dafür haben wir jetzt ein Trampolin, das wir nie wollten. Ich kann jetzt Frust abhüpfen!

Zwei Wochen Ferien… Die erste Woche habe ich bereits verdrängt, also erspare ich mir sie aus den Untiefen zu kramen. Bis zum Osterfeuer am Samstag. Viel Lachen und Marshmallows und Bier und mit jedem Holzscheit verbrannte ein wenig mehr Anspannung und Angst.

Es ist wie es ist. Ich kann an der aktuellen Situation nichts ändern. Das Jammern verkleistert meine Ohren allmählich. Also haben wir uns eingespielt, im Nicht-Einspielen können. Jeder Tag verläuft anders. Halt so wie es passt. Ohne Plan. Ich weiß nicht, was morgen kommt. Ja, wir erledigen unsere Aufgaben. Mal vorm Hüpfen und mal danach. Mal tauchen wir beim Sonnenbaden in ein Superhelden–Abenteuer ein. Und mal sind wir die Superhelden, die mit Pfeil und Bogen die Trampolinburg vor dem Corona-Angriff beschützen. Mal sinnieren wir in unserer Bathöhle, wie lange wir noch Helden sein können und wollen. Dann beschließen wir, so eine schwere Entscheidung auf morgen zu verschieben. Vielleicht sieht die Welt morgen schon ganz anders aus!

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